Hatten/Sandkrug. Zwei Wettkampftage bei wolkenlosem Himmel, sengender Sonne und trockener Hitze – und ein Heimsieg, mit dem im Vorfeld kaum jemand gerechnet hatte: Vom 7. bis 9. August 2026 war der Nordwestdeutsche Schützenbund Gastgeber der Deutschen Meisterschaften im Target Sprint. Nach dem Trainingstag am Freitag fielen die Entscheidungen am Samstag und Sonntag. 139 Sportlerinnen und Sportler aus 16 Landesverbänden kämpften auf der Anlage des SV Sandkrug um die Titel in den Einzelrennen, im Single Mixed und im Mixed Team – vergeben wurden 13 Einzeltitel sowie jeweils fünf Titel in den beiden Teamwettbewerben.
Für uns als gastgebenden Landesverband endete das Wochenende mit zwölf Medaillen: zweimal Gold, fünfmal Silber und fünfmal Bronze. Besser war der NWDSB bei einer Target-Sprint-DM nur ein einziges Mal – 2024, ebenfalls bei einer Heim-DM in Hatten, mit 13 Medaillen.
Sensationsgold: Mona Mammen schlägt die Favoritinnen
Sensationsgold aus Sicht des Gastgebers: Mona Mammen vom SV Sandkrug sorgte für den größten Coup des Wochenendes. Dabei stand lange nicht einmal fest, ob sie überhaupt antreten würde – ein hartnäckiger Schnupfen hatte ihren Vater bereits erwägen lassen, sie zurückzuziehen. Und auch nach der Qualifikation der Juniorinnen deutete nichts auf einen Titel hin: Als Neunte von elf Starterinnen zog sie ins Finale ein, mit gut zwanzig Sekunden Rückstand auf die Spitze.
Im Finale drehte sie das Rennen komplett. In 5:28,71 Minuten ließ sie das gesamte Feld hinter sich und verwies die als Topfavoritinnen gehandelten Schwestern Lisa und Julia Enderle (SG Schützenlisl II Englschalking) auf die Plätze zwei und drei. Rund fünf Sekunden Vorsprung auf Silber – Deutsche Meisterin im eigenen Verbandsgebiet, gegen ein Feld, das sportlich klar höher eingeschätzt worden war.
Entsprechend fassungslos fiel die erste Reaktion der neuen Meisterin aus. Sie habe mit dem Sieg überhaupt nicht gerechnet, sagte Mammen im Ziel, und sich bewusst kein Platzierungsziel gesetzt, weil ihr die Stärke der Altersklasse klar gewesen sei. Ihr Vorsatz sei allein gewesen, ihr Bestes zu geben. Genau solche Momente entschädigten für all die Trainingsstunden, in denen die Motivation fehle und man sich frage, wofür man Zeit und Energie eigentlich investiere.
Beim Einzeltitel blieb es für die Sandkrugerin nicht: Mit Philipp Umland holte sie im Single Mixed der Junioren Bronze, im Mixed Team mit Julian Knoll und Luis Jünemann Silber. Drei Medaillen an zwei Wettkampftagen.
Der Fluch von Sandkrug: Winkler holt erneut Silber
Und dann war da Niklas Winkler. Der Sandkruger zählt in der Jugendklasse zu den konstantesten Sportlern der Szene und ging in Hatten als Titelanwärter an den Start – auf der Anlage seines eigenen Heimatvereins. Am Ende trennten ihn 19,56 Sekunden von Zeno Ellinger (Hubertus Stauden), der sich den Meistertitel sicherte. Für Winkler blieb Silber.
Damit setzt sich eine Serie fort, die kurios genug ist, um sie beim Namen zu nennen: Auswärts läuft es, zu Hause nicht. 2023 und 2025 holte er sich jeweils Gold, 2024 in Hatten dagegen Silber – und 2026, wieder in Hatten, erneut Silber. Auf heimischem Boden hat es für den Einzeltitel bislang nie gereicht.
Dass es sportlich trotzdem ein starkes Wochenende war, zeigt seine Bilanz: Neben dem Einzel-Silber gewann Winkler mit Marlene Konen Bronze im Single Mixed und mit Konen und Nick Börger Silber im Mixed Team. Bei dieser Konstanz dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch das Kapitel Heim-Titel geschrieben wird.
Schülerteam räumt ab: Gold und Silber im Mixed Team
Die stärkste Mannschaftsleistung des Wochenendes lieferte der Nachwuchs. Im Mixed Team der Schüler setzte sich das NW Schüler Team-I mit Marie Hamann, Janis Woltjen und Noah Stöckmann in 22:04,03 Minuten an die Spitze und holte Gold; das NW Schüler Team-II mit Amanda Kramer, Greta Stöckmann und Aiden Schaurich folgte auf Platz zwei. Im Single Mixed der Schüler kam das Team-I mit Hamann und Stöckmann als Dritter erneut aufs Podest.
Auch in den Einzelrennen war die Altersklasse ergiebig: Noah Stöckmann (SV Neuhaus-Carrenzien) sicherte sich bei den Schülern m Silber, Marie Hamann (SV Neuhaus-Carrenzien) bei den Schülerinnen Bronze. Beide verlassen die DM damit mit je drei Medaillen.
Junioren: Bronze für Jünemann, zweimal Podest im Team
In der Juniorenklasse fuhr Luis Jünemann (KKSV Wendisch Evern) im Finale Bronze ein, hinter dem dreifachen Junioren-Weltmeister Lukas Bürki und Moritz Kellner. Für ihn hätte das Wochenende kaum besser enden können: Jünemann feierte am Sonntag Geburtstag und bekam auf dem Siegerpodest von allen Teilnehmern ein Geburtstagsständchen gesungen – ein Moment, den er so schnell nicht vergessen wird.
Mit Mona Mammen und Julian Knoll stand er außerdem als Zweiter im Mixed Team auf dem Podest; das NW Junioren Team-I holte zudem Bronze im Single Mixed.
Knapp am Podest vorbei
Über die Medaillenränge hinaus verzeichnete der Verband eine Reihe starker Platzierungen:
Einzel: Christina Bagunk (Damen I) und Heiko Jabusch (Herren III) jeweils Vierte, Philipp Umland Vierter bei den Junioren, Janis Woltjen Vierter und Aiden Schaurich Fünfter bei den Schülern m, Levke Schnittker Vierte bei der Jugend w, Nick Börger Fünfter bei der Jugend m, dazu die sechsten Plätze von Amanda Kramer (Schüler w), Anja Jarmer (Damen II), Petra Witte (Damen III) und Andre Stöckmann (Herren II).
Single Mixed: Rang vier für das NW Schüler Team-III und das NW Jugend Team-II, Rang fünf für das NW Schüler Team-II und das NW D/H II Team-I, Rang sechs für das NW D/H I Team-I.
Mixed Team: Rang vier für das NW D/H II Team-I, Rang fünf für das NW Junioren Team-II, Rang sechs für das NW D/H I Team-I.
Profibedingungen bei bis zu 32 Grad
Verantwortlich für die Ausrichtung zeichnete der SV Sandkrug. Das gesamte Organisationsteam des Vereins stellte eine Anlage auf die Beine, die den Vergleich mit internationalen Wettkämpfen nicht scheuen musste – eine Leistung, die auf vielen Schultern verteilt war und in jedem Bereich von der Wettkampfleitung über den Schießstand und die Zeitnahme bis zur Logistik gleichermaßen getragen wurde.
Gefordert waren alle Beteiligten: Die Temperaturen kletterten von knapp 28 Grad bei den Einzelrennen auf 32 Grad am Tag der Mixed-Team-Wettbewerbe – trockene Hitze bei wolkenlosem Himmel und ohne jeden Schatten auf dem Platz. Auf der 400-Meter-Runde und am Schießstand wurde sie zum eigenständigen Gegner und schlug sich bei einigen Athleten in den Lauf- und Schusszeiten nieder. Im Gegenzug sorgte sie für dramatische Rennen bis auf die Zielgerade.
Weiter verfeinert wurde in diesem Jahr die mediale Begleitung, die bereits 2024 in Hatten für Aufsehen gesorgt hatte: Stationäre Kameras und Drohnen deckten die komplette Anlage ab, übertragen wurde im Livestream bei SportEurope.TV. Wer nicht vor Ort sein konnte, verpasste dadurch keinen Zwischensprint und keine Schießeinlage.
Dass es diese Bilder überhaupt gibt, ist alles andere als selbstverständlich. In anderen Schießsportdisziplinen gehört der Livestream längst dazu – dort steht die Kamera vor einem festen Stand und filmt einen Wettkampf, der sich auf wenigen Quadratmetern abspielt. Im Target Sprint verteilt sich das Geschehen über eine 400-Meter-Runde und den Schießstand, die Athletinnen und Athleten sind permanent in Bewegung, und die komplette Technik muss für jede Veranstaltung neu aufgebaut und eingerichtet werden. Der Aufwand dafür ist enorm. Der SV Sandkrug ist derzeit der einzige Ausrichter in Deutschland, der eine Livestream-Übertragung für den Target Sprint überhaupt anbieten kann.
Lob von der sportlichen Leitung
Bundesreferent Target Sprint und Sommerbiathlon Ralf Jaep zog ein durchweg positives Fazit. Was in Hatten geboten worden sei, bezeichnete er als Werbung für die Sportart auf Spitzenniveau – die Athletinnen und Athleten hätten trotz der extremen Hitze bis zur letzten Sekunde alles gegeben. Ausdrücklich dankte er dem SV Sandkrug: Die Bedingungen vor Ort seien professionell gewesen, die Übertragung mit Drohnentechnik habe Maßstäbe für die Zukunft gesetzt.
Ein ganz großes Dankeschön an die Helferinnen und Helfer
Der NWDSB schließt sich diesem Dank ausdrücklich an – und richtet ihn an die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, ohne die eine Meisterschaft dieser Größenordnung schlicht nicht stattfindet.
Was auf den Fernsehbildern wie eine feste Anlage aussah, war reine Handarbeit: ein mobiler 30-Meter-Schießstand, aufgebaut aus Traversen und LKW-Planen, errichtet und nach dem letzten Rennen wieder komplett abgebaut. Bei Temperaturen, bei denen andere den Nachmittag im Schatten verbringen. Genau den gab es auf dem Platz nämlich nicht – drei Tage lang standen die Helferinnen und Helfer in der prallen Sonne, ohne nennenswerte Pausen, an der Strecke, an der Zeitnahme, am Stand, an der Verpflegung.
Dass die Athletinnen und Athleten am Ende von professionellen Bedingungen sprechen konnten, ist genau diesen Menschen zu verdanken. Dafür gebührt ihnen der größte Respekt und ein ganz herzliches Dankeschön.
Großes Lob an die Heimtrainer
Ein ebenso großes Lob geht an die Heimtrainerinnen und Heimtrainer in den Vereinen. Zwölf Medaillen fallen nicht vom Himmel; sie sind das Ergebnis von Trainingsarbeit, die über Monate an Abenden und Wochenenden geleistet wird – ausschließlich ehrenamtlich und meist ohne dass jemand darüber schreibt. Sie haben einen hervorragenden Job gemacht.
Bemerkenswert ist dabei, unter welchen Voraussetzungen dieses Ergebnis zustande kam. Vorbereitende Maßnahmen für unsere Kadersportlerinnen und Kadersportler, etwa die Teilnahme an der Deutschland Trophy, mussten die Heimvereine aus eigener Tasche finanzieren, weil der Landesverband für den Target Sprint kaum noch finanzielle Mittel bereitstellen kann. Zwölf Medaillen unter diesen Bedingungen – auch das ist auf seine Art eine Sensation.
Es möge allerdings niemand glauben, dass sich das über Jahre so fortschreiben lässt. Wer im Nordwesten dauerhaft vorne mitlaufen will, wird an dieser Frage nicht vorbeikommen.
Warum Heim-Meisterschaften zählen
Ein Blick auf die Bilanz der vergangenen Jahre zeigt ein klares Muster: Bei Meisterschaften im eigenen Verbandsgebiet schneidet der NWDSB deutlich besser ab als bei DM-Ausrichtungen in anderen Landesverbänden. Das hat zwei Gründe. Zum einen fallen weite Anreisen weg, was die Startzahlen aus dem Nordwesten spürbar erhöht – wer nur eine halbe Stunde fahren muss, meldet eher als jemand, der ein verlängertes Wochenende quer durch die Republik einplanen müsste. Zum anderen laufen unsere Sportlerinnen und Sportler vor heimischem Publikum, mit dem eigenen Verein im Rücken, erkennbar mit einer besonderen Motivation.
Die beiden besten Ergebnisse der Verbandsgeschichte stammen folgerichtig von den beiden Heim-DMs in Hatten – 2024 und 2026. Für die Zukunft heißt das: Es lohnt sich, so viele Deutsche Meisterschaften wie möglich in den Nordwesten zu holen und hier auszurichten. Für die Sportart, für den Nachwuchs und für die Vereine, die sich diese Ausrichtung zutrauen.
Bericht: Marco Hahn, Referent Target Sprint
Die zwölf NWDSB-Medaillen im Überblick
Einzel
|
Klasse
|
Platz
|
Name
|
Verein
|
|
Junioren w
|
Gold
|
Mona Mammen
|
SV Sandkrug
|
|
Schüler m
|
Silber
|
Noah Stöckmann
|
SV Neuhaus-Carrenzien
|
|
Jugend m
|
Silber
|
Niklas Winkler
|
SV Sandkrug
|
|
Schüler w
|
Bronze
|
Marie Hamann
|
SV Neuhaus-Carrenzien
|
|
Junioren m
|
Bronze
|
Luis Jünemann
|
KKSV Wendisch Evern
|
Single Mixed
|
Klasse
|
Platz
|
Team
|
Aktive
|
|
Schüler
|
Bronze
|
NW Schüler Team-I
|
Marie Hamann, Noah Stöckmann
|
|
Jugend
|
Bronze
|
NW Jugend Team-I
|
Marlene Konen, Niklas Winkler
|
|
Junioren
|
Bronze
|
NW Junioren Team-I
|
Mona Mammen, Philipp Umland
|
Mixed Team
|
Klasse
|
Platz
|
Team
|
Aktive
|
|
Schüler
|
Gold
|
NW Schüler Team-I
|
Marie Hamann, Janis Woltjen, Noah Stöckmann
|
|
Schüler
|
Silber
|
NW Schüler Team-II
|
Amanda Kramer, Greta Stöckmann, Aiden Schaurich
|
|
Jugend
|
Silber
|
NW Jugend Team-I
|
Marlene Konen, Nick Börger, Niklas Winkler
|
|
Junioren
|
Silber
|
NW Junioren Team-I
|
Mona Mammen, Julian Knoll, Luis Jünemann
|
Medaillenbilanz: 2 x Gold, 5 x Silber, 5 x Bronze
Die Deutschen Meisterinnen und Meister im Target Sprint 2026
Einzel
|
Klasse
|
Meister/in
|
Verein
|
|
Damen I
|
Kerstin Schmidt
|
Edelweiß Siegritz
|
|
Damen II
|
Dorota Wilke
|
SV Wolfartsweiler
|
|
Damen III
|
Anita Cruchten
|
Vorwaldschützen Renholding
|
|
Herren I
|
Jacob Hofmann
|
SVE Frankenhain
|
|
Herren II
|
Peter Hansen
|
BSV Aplerbeck
|
|
Herren III
|
Markus Furtner
|
Vorwaldschützen Renholding
|
|
Herren IV
|
Stephan Werner
|
SG Bingen
|
|
Juniorinnen
|
Mona Mammen
|
SV Sandkrug
|
|
Junioren
|
Lukas Bürki
|
Hubertus-Alpenjäger Haibach
|
|
Jugend w
|
Milia Kußmaul
|
Schützenverein Bondorf 1928
|
|
Jugend m
|
Zeno Ellinger
|
Hubertus Stauden
|
|
Schüler w
|
Ida Cruchten
|
Vorwaldschützen Renholding
|
|
Schüler m
|
Emil Sandi
|
SG Immergrün Aising
|
Single Mixed
- Erwachsene: Kerstin Schmidt & Daniel Gruber (Bayern 2)
- Erwachsene II: Dorota Wilke & Gerd Miller (Württemberg)
- Junioren: Hanna Cruchten & Lukas Bürki (Hubertus-Alpenjäger Haibach)
- Jugend: Milia Kußmaul & Sami Schellmann (Württemberg)
- Schüler: Ida Cruchten & Emil Sandi (Bayern 1)
Mixed Team
- Erwachsene: Kerstin Schmidt, Christoph Limmer, Daniel Gruber (Grüne Au Peising)
- Erwachsene II: Pamela Weil Hansen, Peter Hansen, Gerd Miller (BSV Aplerbeck I)
- Junioren: Lisa Enderle, Lukas Bürki, Moritz Kellner (Bayern 1)
- Jugend: Sophie Wink, Beeke Lingner, Julian Grundler (Hessen II)
- Schüler: Marie Hamann, Janis Woltjen, Noah Stöckmann (NW Schüler Team-I)
Erfolgreichste Teilnehmer der Meisterschaft waren Mehrfach-Weltmeisterin Kerstin Schmidt und der dreifache Junioren-Weltmeister von 2025, Lukas Bürki – beide gewannen alle drei möglichen Titel in Einzel, Single Mixed und Mixed Team.
Fotos: Britta Kußmaul, Gerd Schütt, Uta Wilms, SV Sandkrug u. a.