"Von 7 Uhr bis zur Siegerehrung" - Ein Trainertag bei der Deutschen Meisterschaft in München

„Nein, erholt war ich nicht. Aber ich habe es für unsere Sportler getan.“Marcus Hemmelskamp | München, 23. August 2026

Wer die Deutsche Meisterschaft in München verfolgt, sieht vor allem Startzeiten, Ergebnisse und Medaillen. Was Trainerinnen und Trainer während dieser Tage leisten, bleibt häufig im Hintergrund. Der Sonntag, 23. August, zeigt exemplarisch, wie dicht ein solcher Tag sein kann.

Um 7 Uhr begann der Tag mit einem schnellen Frühstück im Hotel. Um 7:20 Uhr machte ich mich auf den Weg zur Olympia-Schießanlage. Der kurze Fahrtweg von etwa zehn Minuten war an diesem Morgen ein großer Vorteil. Gegen 7:30 Uhr war ich auf dem Gelände. Viel Zeit blieb nicht: Um 7:45 Uhr begann die Standbelegung, um 8 Uhr die Probezeit und um 8:15 Uhr der erste Wettkampf.

Mein erster Schützling war Marvin Giegling vom SV Bramstedt. Vor dem Start blieb nur ein kurzes Gespräch. Wir stimmten seinen Matchplan ab, besprachen seine Erwartungen und klärten, welche Unterstützung er sich während des Wettkampfes von mir wünschte.

Im nächsten Durchgang betreute ich Jens Hinrichs von den Sportschützen Bremen. Bereits nach wenigen Schüssen war zu erkennen, dass er nicht richtig in den Wettkampf fand. In solchen Situationen muss ein Trainer entscheiden, ob und wann er eingreift. Jens kam kurz aus dem Anschlag. In einem konzentrierten Gespräch gab ich ihm klare Hinweise, die er anschließend gut umsetzen konnte. Genau darin besteht ein wesentlicher Teil der Trainerarbeit: beobachten, die Situation richtig einschätzen und im entscheidenden Moment die passenden Worte finden.

Um 12:45 Uhr folgte der Luftgewehrstart von Marlon Feldhaus. Marlon gehört zum DSB-Nachwuchskader und startet für die SSGem Lähden. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits viele Wettkämpfe gemeinsam bestritten und kennen unsere Abläufe. Mit 618,4 Ringen qualifizierte er sich als Siebter für sein erstes DM-Finale.

Als Marlon gerade fertig war, musste ich bereits weiter zum rund 200 Meter entfernten Kleinkaliberstand wechseln. Dort begann um 13:45 Uhr der Wettkampf im KK-Dreistellungskampf. Meine Aufgabe war die Betreuung von Lina Feldmann aus dem Landeskader Fortgeschrittene des NWDSB. Gerade jungen Sportlerinnen und Sportlern vermittelt die Anwesenheit eines Trainers Sicherheit. Sie wissen, dass jemand im Hintergrund aufmerksam bleibt, Probleme erkennt und bei Bedarf unterstützt.

In diesem Durchgang startete auch Melia Strüwing und erzielte starke 579 Ringe. Damit erreichte sie als Vierte das Finale. Elisa Bruns kam mit 576 Ringen auf Platz neun und verpasste die Finalteilnahme knapp. Beide trainieren seit vielen Jahren in unseren Kaderstrukturen. Solche Ergebnisse entstehen nicht innerhalb weniger Wochen. Sie sind das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses, der bereits begann, als die Sportlerinnen und Sportler noch der Schülerklasse angehörten.

Für eine geregelte Mittagspause blieb an diesem Tag keine Zeit. Ein anwesender Elternteil war so lieb und drückte mir zwischendurch eine Butterbrezel in die Hand. Am Abend fragte Melia, ob ich ihre zweite Brezel ebenfalls gegessen hätte. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Die kleine Geschichte beschreibt den Tagesablauf aber ziemlich treffend: Gegessen wird, wenn sich gerade eine Gelegenheit ergibt.

Um 16:45 Uhr begann das KK-Finale der Juniorinnen. Für Melia war es bereits das zweite Finale dieser Deutschen Meisterschaft. Am Vortag hatte sie auch mit dem Luftgewehr unter den besten acht Juniorinnen gestanden. Vor dem Start besprachen wir die Abläufe, versuchten Unruhe herauszunehmen und Sicherheit zu vermitteln. Melia belegte am Ende einen starken sechsten Platz.

Um 19 Uhr folgte das Luftgewehrfinale der Junioren mit Marlon. Die Nervosität war deutlich zu spüren. Er wollte es besonders gut machen. Im Finale belegte er Platz acht. Das ist kein Grund zur Enttäuschung: Wer sich in diesem starken Teilnehmerfeld für das Finale qualifiziert, gehört an diesem Tag zu den acht besten deutschen Junioren.

Danach folgte noch ein besonderer Abschluss. Gemeinsam mit Moritz Faltinat und Alexander Karl gewann Marlon für die SSGem Lähden die Mannschaftswertung der Junioren I. Mit 1.854,8 Ringen wurde das Trio Deutscher Mannschaftsmeister.

Gegen 20:30 Uhr war die Siegerehrung beendet. Anschließend ging es zurück ins Hotel, noch kurz etwas essen und dann ins Bett. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker wieder gegen 6 Uhr.

Bis auf zweieinhalb freie Tage hatte ich während des gesamten Aufenthalts täglich Sportler unmittelbar am Stand zu betreuen. Landestrainersitzungen, ein Treffen der Landessportleiter, Veranstaltungen der Nordverbände sowie Gespräche mit anderen Trainern und der Sportindustrie kamen zusätzlich zu dieser Betreuung hinzu. Entsprechend gab es an den Einsatztagen kaum wirklichen Leerlauf.

Am Montag nach der Deutschen Meisterschaft fragten mich meine Kollegen im Büro: „Du hattest doch zehn Tage Urlaub. Bist du erholt?“ Nein, erholt war ich nicht. Aber ich habe es für unsere Sportler getan.

Foto 1 Trainer Marcus Hemmelskamp mit Lian CrullFoto 2 Melia Struewing KK Final

Foto 3 Mannschaftsgold SSGem Laehden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto 1: Trainer Marcus Hemmelskamp im Gespräch mit Lian Crull am 28. August in der Luftgewehrhalle. Foto: Sabrina Jaschke-Crull

Foto 2: Melia Strüwing während des KK-Dreistellungsfinales am 23. August, aufgenommen aus Sicht des Trainerstuhls. Foto: Marcus Hemmelskamp

Foto 3: Mannschaftsgold für die SSGem Lähden: Moritz Faltinat, Marlon Feldhaus und Alexander Karl wurden Deutsche Mannschaftsmeister im Luftgewehr der Junioren I. Foto: Marcus Hemmelskamp

 

Bericht: Marcus Hemmelskamp

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.